Marie Steck
Autor:in
Marie Steck
Veröffentlicht
05.11.2026
Members Behind the Scenes tim&koko

Von der Idee bis ans Nordkap: Wie man als Founder mehrere Monate Pause macht, ohne dass das Business stehen bleibt

Schon lange schwirrte die Idee in den Köpfen von Sarah und Thömu: Einmal mit dem Velo bis ganz hinauf ans Nordkap fahren. Doch wie setzt man ein solches Abenteuer um, wenn man vor einigen Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet hat und die Verantwortung für ein Team trägt?

Die Antwort: Es braucht Mut, eine durchdachte Organisation und vor allem ein Team, das die Idee nicht nur unterstützt, sondern auch mit Freude und Kompetenz die Stellung hält.

Flexible Kultur als Gegenseitigkeit

Als Teammitglieder bei tim&koko profitieren alle von viel Flexibilität und modernen Arbeitsmodellen: Chrigu schätzte schon in der Vergangenheit längere Auszeiten, Marie reiste um die Welt und arbeitete von unterwegs, und Miriam nutzte die Möglichkeit zum Workation-Trip auf Mallorca. Nun war die Zeit reif, dass sich auch das Gründerduo Sarah und Thömu diesen Traum erfüllen konnte.

Das Etappen-Modell: Zwischen Auszeit und Remote Work

Um den Übergang für das Team und die Kundschaft fliessend zu gestalten, wurde die Abwesenheit in zwei strategische Phasen aufgeteilt:

Phase 1: Vollständige Auszeit (Ferienmodus)

Fokus auf die Reise und das Abschalten. Beide waren im Urlaub und prüften Mails nur punktuell im absoluten Notfall.

Phase 2: Teilzeit aus dem Sattel (Remotework)

Als das Nordkap schon fast in Sichtweite war, stiegen Sarah und Thömu schrittweise wieder ein. Während sie weiterhin Tag für Tag in die Pedale traten, arbeiteten sie flexibel zwischen 20% und 40%.

Wer macht was? Klare Übergaben statt Chaos

Eine längere Abwesenheit funktioniert nur, wenn die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt ist. Daher wurden interne Themenblöcke klar aufgeteilt:

  • Marie: Übernahm das komplette Backoffice, Personalthemen, Steuern, Marketing sowie kleinere Sales-Aufgaben.

  • Chrigu: Kümmerte sich um technische Kundenanfragen und Detailfragen.

  • Miriam: Übernahm die Hauptverantwortung für die technische Infrastruktur von tim&koko.

Neben diesen internen Sonderaufgaben leisteten alle drei weiterhin verlässlich ihre Stunden bei den jeweiligen Kundenprojekten ab.

Eingespielte Strukturen & Vertrauen

Ein zentraler Erfolgsfaktor: Das Team von tim&koko war bereits vor der Reise extrem eingespielt. Anstatt während der Reise das Rad neu zu erfinden, nutzte das Team bestehende Routinen:

  • Geklärte Verantwortlichkeiten: Jedes Teammitglied wusste genau, bei welchen Themen es eigenständig entscheiden durfte.

  • Bewährte Austauschgefässe: Die wöchentlichen Check-ins blieben bestehen, und der gewohnte Bürotag am Donnerstag gab dem Team vor Ort weiterhin Struktur und Zusammenhalt.

Die Finanzierung: Wie rechnet sich eine lange Gründer-Auszeit?

Eine der grössten Hürden bei Gründer-Auszeiten ist die finanzielle Machbarkeit. Denn es geht nicht nur um die fortlaufenden Löhne und Fixkosten, sondern auch um den temporären Wegfall von verrechenbaren Kundenstunden, die normalerweise durch das Gründerduo geleistet werden.

Wie lässt sich diese Lücke schliessen? Bei Sarah und Thömu kam ein Faktor ins Spiel, der sich über die Jahre seit der Gründung angesammelt hatte: Thömu hatten eine erhebliche Menge an Überstunden und Ferien angehäuft. Dieser wohlverdiente Abbau bildete das Fundament für die Reise.

Ein Abbau war also mehr als verdient. Um die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen, entschied sich tim&koko für eine Mischform:

  • Phase 1 (Urlaub): Sarah und Thömu bauten ihre Überstunden und Ferientage ab, während das eingespielte Team vor Ort das laufende Geschäft lückenlos weiterführte.

  • Phase 2 (Workation): Durch den schrittweisen Wiedereinstieg in Remotework wurden von unterwegs wieder aktiv Kundenprojekte bearbeitet und verrechenbare Stunden generiert.

So liess sich der Traum vom Nordkap finanziell solide und fair mit dem Unternehmen vereinbaren, ohne das Tagesgeschäft aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die Reaktion der Kundschaft: Transparenz schlägt Befürchtungen

Wer Transparenz lebt, wird positiv überrascht: Anstatt Befürchtungen oder Unverständnis auszulösen, war die Resonanz unserer Kundinnen und Kunden durchweg begeistert. Durch die frühzeitige und offene Kommunikation wussten alle Bescheid, wer während der Abwesenheit der Ansprechpartner für welches Thema war. Das Team vor Ort fing Anfragen nahtlos ab, sodass die gewohnte Qualität und Erreichbarkeit lückenlos erhalten blieben. Das Feedback war eindeutig: Viele Kundinnen und Kunden schätzten den mutigen Schritt, freuten sich über Reiseberichte und brachten dem gesamten Team grosses Vertrauen entgegen.

Fazit für andere Startups: Ein Stresstest als Qualitätsmerkmal

Eine längere Auszeit der Gründerinnen und Gründer fühlt sich im ersten Moment wie ein Wagnis an. In Wahrheit ist sie jedoch der beste Gradmesser für ein gesundes Unternehmen:

  • Vertrauen statt Kontrolle: Wer Aufgaben abgibt, muss loslassen können. Eine solche Reise zwingt dazu, Micromanagement endgültig abzulegen und voll auf die Fähigkeiten des Teams zu vertrauen.

  • Prozesse auf dem Prüfstand: Wo gibt es noch implizites Wissen, das nur im Kopf der Gründer existiert? Die Vorbereitung deckt Lücken auf und macht das Unternehmen nachhaltig stabiler und unabhängiger.

  • Vorbild für eine moderne Arbeitskultur: Wenn die Führungsebene vorlebt, dass Work-Life-Balance, Auszeiten und Workations keine Lippenbekenntnisse sind, stärkt das die gesamte Unternehmenskultur.

Unser Fazit: Traut euch! Ein Unternehmen, das ohne die ständige Präsenz der Gründer funktioniert, ist kein Risiko, sondern das Zeichen eines reifen, funktionierenden und skalierbaren Geschäftsmodells.

Beitrag teilen
Weitere Beiträge
Members Behind the Scenes tim&koko
05.06.2026
Das Experiment „Weltreise“ ist geglückt – Warum es sich lohnt, Top-Talenten die Welt zu Füssen zu legen
Weiterlesen
tim&koko Members Behind the Scenes
11.09.2025
Arbeiten bei tim&koko - Ein Rückblick nach sechs Monaten
Weiterlesen